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Newsletter vom 09.04.2003, 19:34 UhrDDF Live aus New York On Demand Digitaldruck-Kongress-Messe in New York:
„Workflow Management is King"Die heute, am 9. April, zu Ende gehende On Demand Kongress-Messe in New York markiert eine weitere Trendwende: Ein aufgeschlossenes, aktives Fach-Publikum zeigt hohes Interesse an Erfolgsmodellen für die Anwendung Digitaldruck. Produktneuheiten erscheinen sekundär und Verbesserungen bei Produkten werden ohnehin als Selbstverständlichkeit erwartet.
„Produktneuheiten sind deutlich weniger relevant als kreative Szenarien, die zeigen, wie Print durch den Digitaldruck in die interne und externe Unternehmenskommunikation einbezogen werden kann", erläutert Andreas Weber, Sprecher des DigitaldruckForum, vor Ort in einem Gespräch mit George Alexander, Executive Editor des Seybold Report. Office Solution-Anbieter wie Ikon oder Firmen wie Delphax waren in New York mit großen Messeständen vertreten. Und die „kleinen" Workflow-Management-Innovatoren wie XMPIE schlossen mit Riesen wie Hewlett-Packard oder Xerox weitreichende Distributionsabkommen. Von den News der „Blue Chips des Digitaldruck" berichten wir nachfolgend. Weitere Kurzberichte folgen.
Heidelberg: Masse zählt!
Interessante Zahlen gab es von Heidelberg Digital-Chef Wolfgang Pfizenmaier bzgl. der aktuellen Digitaldruck-Auftragsstruktur im grafischen Markt:
25% der Aufträge migrieren vom Offset- zum Digitaldruck 50% sind neue Anwendungen (VDP, SRC) 14% der Aufträge sind gewandelt von Analogkopie aus dem Copyshop-Bereich 12% stellen neuartige Hybridanwendungen Offset- und Digitaldruck dar
(Basis: Offsetdrucker mit Digitaldruck-Installationen in USA. Quelle: Heidelberg Digital)
Gleichzeitig gehen laut Heidelberg die Kosten (TCO) Farbdruck runter:
6 Cent bei 100.00 bis 250.000 Auflage
5 Cent bei 250.000 bis 500.000 Auflage
4 Cent ab 500.000 Auflage
Diese Zahlen stützen die These des DigitaldruckForum erheblich, dass der Digitaldruck auf Masse ausgelegt wird (mit variablem Datendruck).
Hewlett Packard: Digital Page-Philosophie
Hewlett-Packard stellte erstmals die Repositionierung des Unternehmens bezüglich Digitaldruck dar. Bill McGlynn, VP Digital Printing Solutions bei HP, legte dar: „Wir setzen unseren gesamten Konzern ein, unsere Unternehmenskunden mit Services zu unterstützen, um enormes Volumen an Digital Pages zu kreieren, die wir auf Low-Cost-Inkjet-Druckern oder High-Quality-Produkten von Indigo drucken." Der HP-Manager legte zudem dar, dass durch die Übernahme von Compaq ein weiteres Repertoire an Workflow-Management-Lösungen für die Druckindustrie vorhanden sei.
HP sieht offensichtlich den Digitaldruck als den zentralen Wachstumsmarkt für das Unternehmen. Die Konsolidierung von Indigo ist abgeschlossen: Rund 1.700 installierte Drucksysteme hätten in den letzte 12 Monaten 58% mehr Seitenvolumen generiert. Allerdings: Es ist zu bezweifeln, dass HP aus globaler Sicht langfristig am klassischen Druckindustrie-Markt interessiert ist. McGlynn erwähnte „185 accounts for digital applications" in Enterprise-Bereich, die CRM-Lösungen und Digital Content Management vereinen. Zudem peilt HP das lukrative Segemnt der professionellen Fotografie-Reproduktion durch Digitaldruck an. Diese Anwendungen laufen bei Kunden von HP (außerhalb der Druckindustrie), die den Digitaldruck wohl langfristig gesehen in Eigenregie praktizieren. Ankündigungen wie die exklusive Zusammenarbeit von HP mit dem Volkswagen-Konzern in Sachen Digitaldruck weisen den Weg, wenn auch Firmen wie Info-Werk in Wolfsburg sich zunächst freuen können, für die Wolfsburger Manuals digital auf Indigo-Presse drucken zu dürfen.
Xerox: Workflow Konsolidierung
Digitaldruck-Marktführer Xerox hat sich (auf Konzernebene) deutlich erholt. Thomas F. Wetjen, VP Graphic Arts Business bei Xerox, hat seinen Bereich neu geordnet. Künftig bricht Xerox seine komplexen Lösungsangebote auf 5 Marktsegmente herunter: Creative Services, Commercial Printing, Book Publishing, Transaction Printing/Corporate Publishing, Copyshops/Franchising. Für Wetjen steht eine Wachstumsexplosion im Digitaldruck bevor. „Gerade der Verlagsbereich kann von unseren Book-on-demand-Technologien profitieren", erläutert der Xerox Top-Manager gegenüber dem DigitaldruckForum. Wetjen stellt in Aussicht, schwerpunktmäßig im Weiterverarbeitungsbereich neue Lösungen anzubieten, die Hardcover-Bucheinbände in Echtzeit-Produktion erlauben.
Um das Angebot transparent zu machen, hat Xerox seine oft unterschätzen, aber ausgezeichnet funktionierenden Workflow-Lösungen zu Familien zusammengefasst. Gleichzeitig wurde die Kooperation von Xerox mit EFI und CREO vertieft, um die Ansteuerung der Xerox-Systeme über Digital Frontend-Lösungen weiter zu verbessern. Diese Strategie von Xerox macht die Fronten gegenüber Heidelberg und HP deutlich undurchlässiger. Dass Neuprodukte und die neuen Workflow-Lösungspakete von Xerox sofort ihre Abnehmer finden, liegt bei über 25.000 installierten Digitaldruck-Systeme auf der Hand.
Allerdings, das wissen Thomas Wetjen, Wolfgang Pfizenmaier und Bill McGlynn, ist noch viel Marktentwicklungsarbeit nötig, um den Digitaldruck aus seiner De-facto-Nischensituation herauszuführen.
Bericht: AW-DDF, 9.4.2003 aus New York.
