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Newsletter vom 27.05.2003, 16:31 Uhr

Deutschland-Premiere von Xerox iGen3

Premiere in der Provinz

Kennen Sie Trebur? Nein? Sollten sie aber. Denn dort, im Rechenzentrum
Trebur GmbH, in der Nachbarschaft zu einer Koppel mit Rotwild, wurde
die erste IGen3-Maschine von Xerox installiert und heute der
Öffentlichkeit vorgestellt. Zum Einstand griff man gleich in die
Vollen: nach Inbetriebnahme Anfang April wurde als einer der ersten
großen Jobs rund 180.000 Drucke in knapp 3 Tagen für das Mitsubishi
Kirschblütenfest gedruckt, farbig, schön, vom Feinsten. Ein typischer
Rechenzentrumsjob, oder? Mitnichten. Aber ein typische Anwendung für
Farbdigitaldruck auf Hochleistungsmaschinen, die individualiseren
können. Und so laufen Tag für Tag hochvolumige Produktionen, die man
früher mal Akzidenzen nannte, im Rechenzentrum. Beispiel:
Individualisierte Katalog für Autos. 20 Seiten Umfang und mehr, Auflage
1. Mit genau dem Auto-Modell, in den Farben, mit der Ausstattung, wie
der Kunde es eben haben will. Und viele Kunden wollen das ... Also
Auflage 1 bei Druckvolumen x hoch n.

Xerox bekennt sich nach Auskunft von Jo van Onsem klar zum grafischen
Markt. Van Onsem ist General Manager Production&Service der Xerox GmbH
in Neuss. Xerox will in Punkto Kosten und Qualität mit dem Offsetdruck
gleichziehen und mit iGen3 der Nexpress von Heidelberg/Kodak paroli
bieten. Van Onsem peilt neue Marktpotenziale an, die der Offsetdruck
nicht abdecken könne. Xerox will daher die Anwendungen, die eine
Prozessoptimierung beim Endkunden bewirken, aktiv unterstützen. Dazu
gehört das Abschaffen der Lagerhaltung bei Drucksachen ebenso wie die
Individualisierung der Drucksachen gemäß Verbraucherprofilen und
Konsumentenwünschen. Das erhöht die Effizienz in der Kommunikation
drastisch, wie wir wissen.

Doch dieses Szenario steht und fällt mit der Zahl der installierten
Digitaldrucksysteme. Auf Nachfragen rückt van Onsem mit Zahlen raus,
weil unklar ist, welche Rolle Xerox durch die Krise des Konzenrs nun
spielen kann. Xerox ist laut InfoSource (Spring 2003) in Europa mit 55%
Marktführer bei Farbdrucksystemen von 12 bis 45 Seiten/Minute und über
45 Seiten/Minute. Heidelberg/Nexpress und Xeikon haben je 5%, HP
Indigio 8% und Canon 27%. In Deutschland führt Xerox mit 36%
Marktanteil, gefolgt von Canon mit 29%, Indigo mit 17% , Xeikon mit 10%
und Heidelberg mit 8%.

Die iGen3 sieht Xerox als Möglichkeit, um Neugeschäft im grafischen
Markt zu generieren. Die DocuColor 2060 (rund 5.000 mal weltweit
verkauft) habe zumeist ältere Xerox-Systeme abgelöst. In Europa will
Xerox bis Ende 2003 rund 100 IGen3-Maschinen installieren, davon rund
15 Maschinen in Deutschland. 2004 soll der Verkauf in Deutschland 40
bis 50 iGen3 in Produktion gehen lassen. Zusammen mit dem Rest der Welt
soll so in einem Zeitraum von 3 Jahren eine installierte Basis von rund
2.500 bis 3.000 iGen3-Drucksysteem im Einsatz sein. Die Systeme sind
auf eine Lebensdauer von 5 bis 6 Jahren bei einem Druckvolumen von 1
Million Drucke im Monat ausgelegt. Die Kosten (TCO) liegen laut Xerox
bei 500.000 A4-Farbdrucken (einseitig) bei rund 6 Cent und ab 800.000
A4-Farbdrucken (einseitig) bei rund 5 Cent.

Bleibt noch ein Rechenbeispiel: Xerox hat 1 Milliarde US-Dollar in die
iGen3-Entwicklung gesteckt. Rechnet sich das? Ein System kostet in der
Basisversion 700.000,- Euro. Reichen da 3.000 verkaufte Systeme aus, um
nach 3 Jahren den Break even zu erreichen? Auf den ersten Blick nein.
Wahrscheinlich aber doch, wenn die Auslastung hoch ist. Denn beim
Digitaldruck ist es wie früher bei den Fotosatzbelichtern: man macht
das Geschäft mit den Verbrauchsmaterialien, dem Service und dem
Wiederaufbereiten der Systeme.

Es bleibt dennoch kritisch zu beobachten, ob auf absehbare Zeit einige
wenige hundert neue digitale Farbdrucksysteme ausreichen, um die
kritische Masse zu erreichen, die den Digitaldruck im grafischen Markt
aus der Nische führt.

Andreas Weber
Sprecher DigitaldruckForum

Übrigens: Die Provinz hat einen Vorteil. Hier ist der Baugrund und die
Miete günstig. Die iGen3 ist immerhin knapp 12 Meter lang, inklusive
Papierbehälter und Weiterverarbeitung.

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