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Newsletter vom 14.10.2003, 11:48 UhrTatort FFM | Leipzig: Digitaldruck verändert Geschäftsmodelle
Buchmesse in Frankfurt - Ifra (Zeitungstechnik-)Messe in Leipzig. ZweiEreignisse, die wie immer zeitlich eng beisammen angesiedelt sind. Und
doch liegen Welten dazwischen.
Die * Frankfurter Buchmesse * wurde von nicht wenigen vorausschauend
genutzt, um sich über die Folgen der Digitalisierung der Kommunikation
Gedanken zu machen. Wie verändert die Digitalisierung das
Geschäftsmodelle der Verlage? Wie erreicht man mit digitalem Content
neue, junge Zielgruppen? Nicht wenige Buchverlage nutzen Digitaldruck
und Internet, um sich einen direkten Weg zum Leser zu erschließen. (Der
stationäre Buchhandel hat das Nachsehen.) Insbesondere die Verlage für
Naturwissenschaft und Recht haben ihre Content-Erstellung clever im
Griff und durchgehend digitalisiert. Sprich: Überall dort, wo ein hoher
Änderungs- und Aktualisierungsbedarf ansteht, wird On-Demand-Produktion
eingesetzt und ausgebaut.
* Das DigitaldruckForum wird auf seinem Congress am 23. Oktober die
Top-Book-on-Demand-Anwendung der Buchmesse vorstellen! Anmeldungen sind
noch möglich unter www.digitaldruck-forum.org/congress2003/ *
Und die * Ifra * : Hier steht nach wie vor die Prozess-Optimierung für
Zeitungsverlage im Vordergrund. Anstelle sich mit neuen
Geschäftsmodellen für Zeitungs-Druckereien und -Verlagen
auseinanderzusetzen, ist man immer noch zu 100 Prozent mit Produktions-
und Workflow-Szenarien beschäftigt, um Zeitungen zu drucken wie bisher,
nur halt schneller, besser und evtl. kostengünstiger. Premiere hatte
Printnet am Stand von MAN-Roland, ein durchgehendes, modulares
Produktionsdaten-Management-Konzept auf Basis von JDF. Sensationell.
Und die WAZ-Gruppe hat es bei MAN-Partner PPI schon bestellt.
Allerdings macht MAN-Roland-Chef Gerd Finkbeiner klar: "Der
Digitaldruck ist eine Möglichkeit, die wir aber nicht künstlich in den
Vordergrund stellen sollten. Die Personalisierung von Printprodukten
ist ein Element, aber eben nur eines. Warum soll sich daraus
letztendlich in dem Printmarkt Gravierendes bewegen?" (Zitat aus
Interview in Deutscher Drucker Nr. 32, 9.10.03, S: 11)
Hoppla, lieber Gerd Finkbeiner: An diese Äußerung werden wir Sie
künftig immer wieder erinnern. Sie wird den Marktentwicklungen nicht
stand halten können. Zumal es weiniger um Personalisierung, sondern um
die Individualisierung von Content geht. Ein feiner, aber elementarer
Unterschied.
Der Markt straft doch nach wie vor die Zeitungen ab: Leser- und
Anzeigenschwund kann man auch mit bester Drucktechnik nicht stoppen. Es
wäre schön, wenn die MAN-Ingenieure den Blick intensiv auf den Markt
ihrer Kunden lenken. Sonst geht für Zeitungen nicht nur das
Rubrikanzeigengeschäft ans Internet verloren, sondern die
Unternehmenswelt sucht sich (wie die Buchverlage) den direkten Weg zum
Kunden - mit tollen Digitaldruck-Produkten, die Werbebudgets für
Zeitungsinserate weiter schmelzen lassen!
Andreas Weber
Sprecher DigitaldruckForum

