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Newsletter vom 04.04.2006, 16:54 Uhr

Schmusekurs: Mr. Offset flirtet mit Mrs. Digital Printing

"Sind die beiden nicht ein hübsches Paar?", seufzte vor wenigen Minuten eine Fachteilnehmerin der Diskussionsrunde "In the Balance" auf der Print-Fachmesse IPEX in Birmingham. Vor über 2.000 Gästen wurde diskutiert, wie und ob Offset- und Digitaldruck miteinander harmonieren.

Xerox-Chefin Anne Mulcahey und Heidelberg-Chef Bernhard Schreier gingen auf Schmusekurs und lobten die Koexistenz der jeweiligen Druckverfahren. Damit ist eine deutliche Kurskorrektur bzw. 180-Gradwendung der beiden Marktführer eingetreten, nach dem man sich jahrelang bekämpfte und Xerox das „New Business for Printing" propagierte, um den Offsetdruck abzulösen.

Was bedeutet dieser Sinneswandel?

1. Zunächst, dass Druckdienstleister noch besser aufeinander abgestimmte Workflow-Lösungen nutzen können, um aus der gleichen Datenquelle Drucksachen auf unterschiedlichen Ausgabesystemen leichter und besser produzieren zu können. Zugleich sollen Hybridanwendungen gepusht werden. Individualisierte Massendrucksachen im Kombinationsverfahren könnten somit verstärkt Einzug halten (sehr zum Nutzen der Kommunikationsbranche).

2. Gleichzeitig soll aber auch die neue Allianz das Geschäft beider Anbieter nach vorne bringen. Denn die Konkurrenz wächst und das bedeutet, es wird für beide schwieriger, Marktanteile nicht nur zu halten, sondern auszubauen.

3. Es eröffnet sich die Chance, permanente Insiderdiskussionen zu beenden, um aktiver auf die Kunden der Druckbranche zuzugehen und marktgerechte Angebote in der Kommunikation mit Print zu forcieren. Denn daran mangelt es bis dato, weil bislang alle nur ihr eigenes Süppchen koch(t)en.

4. Und last but not least: Xerox kann von Heidelberg lernen, was Print als Premium-Medium leisten muss; und Heidelberg kann von Xerox lernen, wie moderne, übergreifende Kommunikationsprozesse mit Hilfe digitaler Technologien gestaltet werden.

Natürlich fangen jetzt die Spekulationen an. Was werden die nächsten Schritte sein? Eine Liebesheirat des trauten Paares Heidelberg und Xerox steht mit Sicherheit nicht an, eher eine Zweckgemeinschaft oder eine Allianz der Vernunft. Aber manche Ehe verdankt der Besonnenheit und kritisch-konstruktivem Denken der Partner mehr als dem (rasch nachlassenden) Liebesrausch und der Unverbindlichkeit einer lustvollen „schnellen Nummer"!

Andreas Weber

PS: Der Ort des Schmusekurs-Geschehens, die Ipex-Ausstellung in Birmingham, liegt nicht weit von Stratfort-upon-Avon entfernt, dem Geburtsort von William Shakespeare. Romeo und Julia lassen grüßen!

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