Fallstudien
Institut für Demoskopie in Allensbach
Mehr Tempo und Flexibilität in der Demoskopie durch Digitaldruck
Bei dem traditionsreichen Meinungs- und Marktforschungsunternehmen Allensbach hielt der Digitaldruck im Dezember 2002 Einzug. Abgelöst wurden analoge Vervielfältigungsverfahren. Die beiden neuen Digimaster 9110-Drucksysteme inklusive einem Bookletmaker von Heidelberger Druckmaschinen sollen ambitionierte Druckproduktionen in die Hausdruckerei flexibel und temporeich erledigen. Wichtig ist vor allem, dass zeitintensive Arbeitsschritte bei der Fragebogenproduktion zusammengefasst, die Druckqualität gesteigert und der Output in Spitzenzeiten maximiert werden kann.In der Hausdruckerei des Instituts für Demoskopie am Bodensee ist kein Platz für Spielereien. Eine neue Technik, die die zahlreichen Fragebogen, Tabellenbände und Ergebnisberichte der jährlich etwa hundert durchgeführten Untersuchungen druckt, muss hier auf engem Raum unterkommen. „Als wir uns dazu entschieden, auf Digitaldruck umzustellen, war es sehr wichtig, eine aufs genaueste passende Lösung für unseren Anwendungsbedarf, aber auch für die begrenzten Räumlichkeiten zu finden”, erklärt Werner Süßlin, Organisationsleiter von Allensbach. Angeschafft wurden gleich zwei Digitaldrucksysteme, ergänzt um einem integrierten Bookletmaker. Dies war sinnvoll, um Produktionsspitzen (bis zu 1 Million Drucke in 2 bis 3 Wochen) abzufangen und stets ein Backup-System bereit zu haben. Genauestens abgestimmt, läuft auf Anhieb alles reibungslos und die Ansprüche des Instituts scheinen erfüllt zu sein.
Früher arbeiteten die Markt- und Sozialforscher in der Hausdruckerei ausschließlich mit dem kleinformatigen Offset-Druck von Heidelberg und analogen Kopiersystemen. Auf unterschiedlichen Wegen wurden Manuskripte und Vorlagen in den Fachabteilungen erzeugt und an eine zentrale Koordinationsstelle weitergegeben. Die vom Druckplatten-Master gedruckten Einzelseiten wurden zu Offsetdruck-Zeiten erst paginiert, als Sätze zusammengetragen und geheftet. „Im Digitaldruck bilden wir zwar diese Prozesse nach – nur in erheblich vereinfachter, automatisierter Form. Aus ehedem vier Arbeitsschritten wird nunmehr ein einziger”, so Süßlin. Zwar arbeitete man schon seit einigen Jahren mit digitalisierten Daten, der Druckprozess selbst erfolgte aber analog. Nun werden auf den Digimaster-Drucksystemen digitale Datenfiles aus Office-Programme, RagTime sowie mehr und mehr PDF-Dateien produziert.
Vor allem zwei Anforderungen müssen der Digitaldruck und die begleitende Technik bei Allensbach genügen: zum einen in der Spitze gebündelt eine Leistung von über 200 Seiten pro Minute bringen (mehr als 80.000 Drucke pro 8 Stundenschicht); zum anderen die Dokumente nach einer besonderen Logik automatisch nummerieren. Für die Marktforscher in Allensbach ist entscheidend, dass verschiedenfarbige Papiere eingesetzt werden können und beim Schwarz-Weiß-Druck einzelne Graustufen absolut exakt wiedergegeben werden. „Im Rahmen unserer Befragungen und Dokumentationen ist die gute Lesbarkeit von Informationen entscheidend. Dazu ist Genauigkeit im Druck unbedingt geboten”, erklärt der Organisationsleiter.
Eine Aufgabe die noch zu knacken ist: Für die wiederkehrenden Media-Analysen von Allensbach werden jeweils über 300 Titelkärtchen mit den Logos und Schriftzügen von Zeitschriften à 10.000 Auflage gedruckt. „Dies geschieht aus organisatorischen Gründen noch extern über Kleinoffset“, schildert Werner Süßlin. Die Digimaster bieten jetzt die Möglichkeit für einen verbesserten Workflow. Das reprotechnische Umkopieren für den analogen Druck kann entfallen, von einer durchgängig digitalen Produktion versprechen sich die Allensbacher auch eine Qualitätssteigerung im Druckbild.
Nach Angaben Werner Süßlins ist jedes Digimaster-Drucksystem eigentlich auf rund eine Million Drucke im Monat ausgelegt. Der Output von Allensbach liege bei der herkömmlichen, früheren Produktionsweise zwischen drei und fünf Millionen jährlich. „Insofern stellt die Digimaster auf den ersten Blick eine Überkapazität dar. Trotzdem entschieden wir uns für den Digitaldruck, denn die Vorteile in der Qualität und Produktionsweise überwiegen“, legt Süßlin dar. Unterschätzt werden dürfe vor allem nicht der Aspekt der Paginierung: Die Digimaster überzeugt laut Werner Süßlin auch dadurch, dass Paginierung und Heftung ohne Leistungseinschränkungen möglich sind, die Nennleistung der Systeme auch bei diesen Funktionalitäten voll gegeben ist.
In den ersten 10 Wochen, seitdem auf Digitaldruck umgestellt wurde, konnten in Allensbach bereits über 1,5 Millionen Drucke realisiert werden. Wichtig ist für Organisationsleiter Süßlin, Wachstumsperspektiven von vorneherein abdecken zu können. „Außerdem schafft jedes Angebot seine Nachfrage. Es werden durch diese hohen Leistungsmöglichkeiten im Digitaldruck natürlich auch Überlegungen zu neuen Effizienzsteigerungen angestoßen”, erläutert der Chefkoordinator.
Schnell und flexibel zu drucken, stützt ganz erheblich das Kerngeschäft eines Meinungs- und Marktforschungsinstituts. Stehen Großprojekte wie etwa die Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse mit alleine 20.000 durchgeführten Interviews an, muss innerhalb kürzester Zeit gehandelt werden. Nachdem sämtliche Fragebögen an die einzelnen Interviewer verschickt bearbeitet und zurückgesendet wurden und die Ergebnisse erfasst sind, müssen die Tabellenbände mit den Grundauswertungen produziert werden. Dazu kommen jeweils kommentierende Untersuchungsberichte. Das alles erhält schließlich der Kunde (Werbungtreibende, Verlage). Liegen kurzfristig Änderungen an, was bei Großprojekten ständig der Fall ist, oder müssen innerhalb kurzer Zeit aufgrund spezieller Nachfrage große Mengen von Druckjobs erledigen, kommt der Digitaldruck voll zu tragen.
Bei Allensbach werden alle Druckjobs zentral organisiert. Sämtliche Dateien der Mitarbeiter gehen zunächst an die Organisationsleitung, die verantwortliche Spitze innerhalb der internen Hierarchie für inhaltliche Richtigkeit (Imprimatur) und bestmögliche Qualität im Druck. Die Organisationsleitung koordiniert die einzelnen Arbeitsschritte, macht das Lektorat et cetra. Erst von hier aus gehen schließlich nach der Druckfreigabe die Aufträge an die Hausdruckerei.
Für eine Zusammenarbeit mit Heidelberger hatte sich Allensbach entschieden, weil man die Maschinen und den Service aufgrund der Erfahrungen im Offsetbereich als extrem zuverlässig einstuft. Süßlin zeigte sich vor allem mit der Betreuung während der Umstrukturierung sowie dem anschließenden Service sehr zufrieden: „Die Abstimmung zwischen unserem hauseigenen EDV- und Datenproduktionssystem mit der Digimaster-Technologie lief problemlos." Einweisung und Schulung im Umgang mit der neuen Technik lief an wenigen Tagen vor Ort. „Die Umstellung fiel unseren Mitarbeitern überhaupt relativ leicht. Viele Bedienfunktionen sind selbsterklärlich und bei konkreten Fragen half Heidelberg nach”, so der Organisationsleiter. Somit konnten die alten Drucksysteme relativ reibungslos abgelöst werden.
Süßlin sieht im Digitaldruck ein enormes Potential: “Digitaldruck in der Hausdruckerei wird meiner Meinung nach in Zukunft die beherrschende Produktionstechnologie werden”, sagt er voraus. “Hat man keine hohe Auflage, wird sicher auch im Farbbereich der Offsetdruck eine attraktive Alternative erhalten.” Die Möglichkeit zur Personalisierung von Printjobs sei das große Plus dieser digitalen Druck-Anwendungen. So könnten die Interviewer in Zukunft etwa individualisierte Anschreiben erhalten. Ebenso die Pressemitteilungen könnten personalisiert werden. Süßlin: “Das Ganze geht hin bis zu Archivierungsfunktionen, innerhalb derer man Druckdateien erfasst.” Seit Bestehen des Instituts werden alle Fragebögen, Rohdaten und Ergebnisberichte gesammelt und aufbewahrt. Das erfordert gewisse Platzkapazitäten. “Scannt man all diese Publikationen ein und archiviert sie digital, würde das einiges an Raum einsparen. Außerdem können druckfertige Dokumente in Zukunft mit den entsprechenden Druckjob-Parametern abgespeichert und damit so originalgetreu wie möglich aufbewahrt werden.
Flexibilität ist Trumpf beim Einsatz von Digitaldruck
Digitaldrucksysteme müssen bei Allensbach wichtige Anforderungen erfüllen und sich in eine ausgeklügelte Arbeitsorganisation einfügen. Produziert wird auf dezentralen Arbeitsplatz-Rechnern mit Abteilungsdruckern und -kopierern (für ganz kleine Arbeiten). Die Digimaster-Systeme können nur über die Hausdruckerei und im Bedarfsfall die Organisations-Leitung angesteuert werden. Der Organisationsleiter ist verantwortlich für Form, Inhalt und Qualität. Die Hausdruckerei für pünktliche, fachlich perfekte Erledigung der Druckproduktionen. Als zentrale Leistungsvorgabe wurde bei Allensbach definiert:
- Integrierte Produktionsleistung (drucken, sortieren, heften)
- Leistung in der Spitze über 200 Seiten pro Minute
- Automatische Paginierfunktion (gesteuert vom Mac, Sun-Workstation setzt um: beim Rippen wird die Nummer generiert, die zuvor per Unix-Code von EDV-Abteilung angelegt wurde)
- Verschiedenfarbige Papiere (1 System muss 6 frei wählbare Papierfächer haben, ohne Beschränkung auf Reihenfolge)
- Die Digitaldruck-Systeme müssen auf engstem Raum aufgestellt werden können, also von der Größe her passen.
Zum Unternehmen:
Allenbachs im Medien-Analyse-Bereich führend
Das am Bodensee nahe der deutsch-schweizerischen Grenze gelegene Institut für Demoskopie in Allensbach wurde 1947 von Elisabeth Noelle-Neumann gegründet. Die GmbH wird gemeinsam von ihr und Renate Köcher geleitet und hat ein Stammkapital von rund 1,25 Millionen Euro und setzt rund 9 Millionen Euro um. Neben knapp 100 hauptberuflichen Mitarbeitern (davon 25 Wissenschaftler) sind um die 1.800 nebenberuflichen Interviewer für Allensbach tätig. Im Jahr werden durchschnittlich etwa hundert Untersuchungen (mit rund 100.000 Interviews) durchgeführt, ein großer Teil für die Mediaforschung. Ansonsten führt Allensbach politische Umfragen, Markt- und Sozialforschungen sowie andere Auftragsumfragen durch. In der Hausdruckerei arbeiten drei Mitarbeiter an zwei Heidelberg Digimaster 9110-Systemen mit Bookletmaker.

