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Digitaldruck unter Kontrolle

Digitaldruck wird immer flexibler, besser und interessanter. Mit dem zunehmenden Interesse am Digitaldruck, der steigenden Qualität und Flexibilität mehrt sich auch der Ruf nach Verlässlichkeit und Homogenität.

Jutta Bock, 05. November 2008

Mit Homogenität ist nicht nur der aktuelle Ausdruck auf einer Digitaldruckmaschine gemeint, sondern gleiche Ausdrucke auf verschiedenen Maschinen, unabhängig von ihrem Standort. Gewünscht wird dies vom Kunden, der den Auftrag vergibt und vom Druckunternehmen selbst, die auf unterschiedlichen Digitaldruckmaschinen an verschiedenen Standorten drucken lassen. Konica Minolta zeigt sich diesem Thema aufgeschlossen und macht den vorbildlich ersten Schritt in die richtige Richtung. In Zusammenarbeit mit basICColor hat Konica Minolta ein Werkzeug entwickelt, welches aus dem Wunschdenken Realität werden lässt. Ziel ist es, die Installation der Konica Minolta Digitaldruckmaschinen zu vereinheitlichen und so anzupassen, dass von allen Standorten exakt gleiche Ausdrucke geliefert werden.
Konica Minolta setzt zur Erreichung dieses Ziels Software von basICColor und das gemeinsam entwickelte Color Care Target ein. Die Softwaremodule des Konica Minolta Color Care Paketes (Color Care catch, Color Care profiler und Color Care match patch) plus dem Color Care Target dienen der Qualitätssicherung mittels Kontrolle, Profilierung und Profiloptimierung für Digitaldrucksysteme.

Konica Minolta Color Care Target


Das Konica Minolta Color Care Target v2.4 ist das Herzstück dieser Innovation. Es unterteilt sich in verschiedene Bereiche, wie auf der Abbildung zu sehen ist. Der schmale Streifen am linken Rand des Targets dient allein der Überprüfung einer korrekten und guten Installation des Systems. Er offenbart schnell, so schlicht er auch daher kommen mag, wenn etwas ‚Grundsätzliches’ bei der Installation der Maschine nicht stimmt. Dieser wichtige Aspekt der Grundeinstellung einer Digitaldruckmaschine wird leider oft bei der Profilierung der Systeme übersehen. Frei nach dem Motto, das Profil wird’s schon richten. Was aber leider nicht immer zu den gewünschten Ergebnissen führt. Um die korrekte Einrichtung der Digitaldruckmaschine auf Hardwareseite überprüfen zu können, enthält der Kontrollstreifen Übereinanderdruckfelder mit typischem Schwarzaufbau, Felder mit Lichterzeichnung und Mittelzeichnung, sowie Elemente zur Überprüfung der Registratur (Passer). Und als kleiner Bonus obenauf, die Möglichkeit visuell zu überprüfen, wie sich das Druckraster auf die Wiedergabe von Feindaten auswirkt. So ist schnell ersichtlich, welche Dateiauflösung zu einen einwandfreien Druck führt.
Die technische Abnahme der Maschine liefert die entscheidenden Hinweise, ob direkt profiliert werden kann oder der Techniker noch einmal Hand anlegen muss.
Von links nach rechts gesehen folgt dem Farbstreifen zur Installationskontrolle, ein Keil zur Farbraumermittlung, ein CMY-Balance-Streifen, ein CMYK-Stufenkeil, und als letztes, auf der rechten Seite des Targets, die Farbfelder zur Kontrolle bzw. Qualitätssicherung.


Konica Minolta Color Care Target v24



 Konica Minolta color care target
Konica Minolta color care target
Konica Minolta Color Care Target v24 zur Überprüfung von Kalibrierung und Profilierung im Digitaldruck.


Mit Hilfe des Keils zur Farbraumermittlung lässt sich messen, wie hoch der Farbauftrag sein sollte und kann, um einen optimalen Farbumfang abzudecken. Nicht immer bedeutet ein mehr an Farbe, auch eine Erhöhung der Dichte und der Sättigung. Die grafische Auswertung der gemessenen Ergebnisse erfolgt anschließend mit Color Care catch. Dort kann sich der Anwender in einem 3D-Diagramm ansehen, ob der dargestellte Farbumfang für sein angestrebtes Ziel ausreicht oder ob eine Optimierung nötig ist. Anhand der Auswertung ist zudem zu erkennen, ob die Optimierung durch Erhöhung des Farbauftrags an der Maschine oder die Verwendung eines anderen Bedruckstoffs realisierbar ist.
Der CMYK-Stufenkeil erlaubt die Überprüfung der über den angebundenen RIP durchgeführten Linearisierung. Konica Minolta hat dazu für ihre Digitaldruckmaschinen eigene Referenzkurven ermittelt und hinterlegt. Das Ziel lautet, alle Maschinen auf die gleiche Basis zu linearisieren. Dieser Schritt ist unumgänglich, will man auf verschiedenen Maschinen an verschiedenen Standorten identische Ergebnisse erreichen.
Ist die Basiskontrolle bestanden und das Profil für das Drucksystem geschrieben und eingepflegt, erfolgt die Endkontrolle über die Farbfelder auf der rechten Seite des Targets. Ähnlich einer Medienkeilprüfung auf einem Digitalproof soll über die messtechnische Kontrolle sicher gestellt werden, dass die Toleranzvorgaben eingehalten und das definierte Ziel erreicht wurde. Der verwendete Kontrollstreifen enthält im Vergleich zum üblichen Medienkeil im Streifen A alle Volltonfelder des Medienkeils in 3 Abstufungen: 100% (gleich Medienkeil) und aufgehellt 95% und 90%. Hinzu kommen zwei Streifen, die die restlichen Medienkeilfelder und zusätzliche Messpunkte, die sich speziell auf die Digitaldruckproblematik richten, beinhalten. Ergänzt wurden neben den Vierteltönen und einem weiteren Haut- bzw. Tertiärton vor allem Farborte mittlerer Sättigung und Helligkeit im Inneren des Druckfarbraums. Im Gegensatz zum konventionellen Druck, lässt sich das Verhalten der Farborte in den Farbabstufungen im Digitaldruck nicht so sicher aus dem Vollton ableiten. In der Praxis ist für ein visuell gutes Druckergebnis die genaue Wiedergabe dieser in Bildern enthaltenen Mischfarbenbereiche viel wichtiger als die 100%-Felder des Medienkeils. Die Abstufungen des Streifens A dienen deshalb vor allem dazu, auch Systeme, die den vollen Farbumfang von z.B. ISOcoated_v2 nicht komplett abbilden können, trotzdem sinnvoll in die Qualitätsprüfung einzubeziehen. Diese Systeme halten vielleicht die Volltontoleranzen nicht ein, sind aber mit einem guten ICC-Profil in ihrer gesamten Bildwirksamkeit sehr nah an dem zu simulierenden Ziel. Grundsätzlich soll die Überprüfung definierter Toleranzen, ähnlich wie beim Ugra/Fogra Medienkeil für den Proof, durch eine saubere Systembeschreibung die einfache Kommunikation zum Kunden unterstützen.
Das gesamte Color Care Target ist für eine schnelle Sichtkontrolle mit einem grauen Hintergrund hinterlegt, der erst bei korrekter Abstimmung auf den ISOcoated-v2-Standard einheitlich glatt ist.

Qualitätssicherung in Kürze


Die Vorgehensweise ist schnell erläutert. Ist die Maschine installiert und die Software eingerichtet, wird zunächst das Color Care Target ausgegeben und visuell im linken Streifen beurteilt. Sind dort Ausreißer oder Fehler zu erkennen, muss die Installation überprüft werden. Sobald die visuelle Überprüfung bestanden ist, wird der Farbraumstreifen, des Targets gemessen. Dort wird messtechnisch festgestellt, ob der Farbraum ausreichend ist, noch optimiert werden kann und welche Maßnahmen für eine optimale Ausgabe getroffen werden müssen. Als nächstes folgt die reguläre Linearisierung der Digitaldruckmaschine über den angebundenen Raster Image Prozessor (RIP). Im Falle von Konica Minolta handelt es sich um RIPs aus dem Hause EFI und Creo.
Nach der Linearisierung wird das Color Care Target ein zweites Mal ausgegeben und eine Kontrollmessung am CMYK-Stufenkeil sowie eine visuelle Kontrolle des CMY-Balance-Streifens vorgenommen. Mit Hilfe der messtechnischen Auswertung kann die Qualität der Linearisierung und des daraus resultierenden Tonwertzuwachses überprüft werden. Danach folgt die Ausgabe des Color Management-Targets (ECI2002 oder CMYKick), das Messen des Targets mit Color Care catch und das Erstellen eines Ausgabeprofils via Color Care profiler, welches den aktuellen Druckprozess (Maschine, Farbe, Papier) beschreibt. Die Profilerstellung verläuft automatisch. Die Messdatei wird lediglich via Drag-and-Drop auf das Programmsymbol gezogen. Zum Schluss pflegt der Anwender das über Color Care profiler generierte Ausgabeprofil in den RIP ein und wählt, wenn gewünscht, als Simulationsprofil das ISOcoated_v2_bas.icc von basICColor zur sicheren Farbkonvertierung. Besonders zu empfehlen ist diese Profilkombination, wenn die Farbraumrechnung auf der perzeptiven Umrechungsmethode basiert.

Automatisiert in den Standard


Der Konica Minolta Color Care profiler arbeitet intelligent und kümmert sich automatisch aufgrund der integrierten Messdatenanalyse um die dynamische Einstellungen von Gesamtfarbauftrag und Schwarzaufbau. Arbeitsschritte, die sonst dem Reprofachmann vorbehalten sind, werden vom Programm übernommen. Dass das so einwandfrei automatisiert funktioniert, hat sicherlich verschiedene Gründe. Zum einen ein ganzes Stück Entwicklerarbeit, eine einheitliche Grundlinearisierung als Ausgangsbasis und die grundsätzlich relativ einfache Profilerstellung für Digitaldrucksysteme. Hier hat basICColor reagiert, um es dem Anwender so einfach wie möglich zu machen, ohne qualitative Einbußen hinnehmen zu müssen.
Aber nicht nur die Qualitätssicherung scheint durch die Vorgehensweise abgedeckt zu werden. Schon die erste Kalibrierung und Profilierung der Konica Minolta 6501 mit Color Care war auch bezüglich der Fogra-Toleranzen eine Punktlandung. Das Digitaldrucksystem bewegte sich innerhalb der offiziellen Vorgaben für Proofsysteme. Mit anderen Worten, der größte über Standardprofile simulierbare Druckfarbraum, ISOcoated_v2 lässt sich auf der Konica Minolta 6501 ohne weiteres abbilden. Kleinere Systemdriften in der arbeitstäglichen Praxis können ohne komplette Neuprofilierung des Systems über das Color Care Module „Match Patch“ abgefangen werden. Anzumerken ist, dass bei den aktuellen Messungen der Konica Minolta Systeme das ES 1000 (OEM-Produkt Eye-One UV) oder ein anderes Messgerät mit UV-Filter verwendet werden sollte, da auch die mitgelieferten Punktzuwachs-Referenzkurven praxisgerecht mit UV-Filterung ermittelt wurden. Die Referenzdaten und Toleranzen für die Qualitätskontrolle entsprechen den Werten der Fogra für Proofsysteme.


Fazit


Zwar sind die einzelnen im Color Care Paket enthaltenen Programme unter eigenem Namen auch als Original basICColor Software herunterladbar, allerdings ohne entsprechende Templates, Referenzdateien und ohne das Konica Minolta Color Care Target. Im ersten Schritt führt Konica Minolta das Color Care Paket für die Digitaldruckmaschine bizhub PRO C6501 in den Markt ein. Konika Minolta plant den Produktlaunch im ersten Quartal 2009.
Konica Minolta bietet mit dem Color Care Programm als erster Hardwarehersteller ein Qualitätssicherungssystem, das an die besonderen Bedürfnisse des Digitaldrucks angepasst ist und ein durchdachtes, länderübergreifendes Servicesystem mit praxisgerechter und sinnvoll skalierbarer Qualitätssicherungssoftware verbindet.
Von der Anwenderseite wäre es wünschenswert, dass diese Qualitätssicherung herstellerübergreifend zur Verfügung stünde, um verschiedene Prozesse und Systeme unterschiedlicher Hersteller aufeinander abbilden und miteinander vergleichen zu können. Der erste Schritt ist getan, hoffen wir dass globale herstellerunabhängige Werkzeuge bald folgen.

3D-view, Auswertung-Control
3D-view, Auswertung-Control
Ergebnisse der messtechnischen Auswertung im 3D-Farbraum und in Zahlen
Ergebnisse der messtechnischen Auswertung im 3D-Farbraum und in Zahlen