Know-How-Box
Digitaler Untereloxaldruck
Die Schweizer Firma Heinrich Mantel AG bietet mit dem von ihr entwickelten DataPrint-System einen Inkjet-Flachbettdrucker für den mehrfarbigen Aluminium-Untereloxaldruck an. Über die Einsatzmöglichkeiten und die technischen Voraussetzungen des Systems sprachen wir mit Jon-Andri Mantel, Mitglied der Geschäftsleitung und zukünftiger Geschäftsführer.
10. März 2008
VALUE: Was sind die Vorteile von DataPrint gegenüber herkömmlichem Untereloxaldruck?
Jon-Andri Mantel: Bisher wurde der Untereloxaldruck auf Aluminium entweder im Siebdruck oder durch Belichtung von beschichteten Aluplatten hergestellt. Beide Möglichkeiten sind sehr kosten- und arbeitsintensiv. Im Siebdruckverfahren zum Beispiel muss für die Herstellung eines Vierfarbendruckes pro Farbe ein Sieb hergestellt werden. Dazu kommt, dass man Vierfarben-Rasterdrucke für die Reproduktion von Bilddaten nur in einer relativ geringen Feinheit produzieren kann. Auch der Photoprozess erfordert aufwändige Vorarbeiten. Mit DataPrint wird vierfarbig direkt von der Datei auf anodisiertes Aluminium gedruckt. Zudem ist die Auflösung mit 1440 dpi höher und somit die Qualität besser als mit herkömmlichen Verfahren.

Aluminium-Untereloxaldruck: Barcodes und die individuell bedruckte Basisplatte eines DJ-Mischpultes
VALUE: Welche Anwender sind die Hauptzielgruppen für das neue Verfahren?
Jon-Andri Mantel: Es gibt viele mögliche Zielgruppen: Schilderhersteller, Designer, Automobilindustrie, Strichcodeproduzenten…. Zudem könnte sich durch die Möglichkeit, Kleinstauflagen in sehr hoher Qualität herzustellen, ein ganz neuer Markt entwickeln. Insbesondere aus Kostengründen wurde so etwas zuvor nie in Erwägung gezogen. So ist es beispielsweise denkbar, dass Familien- oder Ferienfotos, die den Besitzern besonders lieb und teuer sind, in diesem Verfahren produziert werden, um anschließend die Wohnungen zu schmücken. Der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt und die Technik lässt es zu.
VALUE: Was sind die Anforderungen an die Druckvorstufe?
Jon-Andri Mantel: An die Druckvorstufe werden die gleichen Anforderung gestellt wie bei herkömmlichen Verfahren; es entfällt allerdings –wie erwähnt – die Schablonen- bzw. Filmherstellung. Die in der Druckvorstufe erstellten Vorlagen, die im Dataprint-RIP in systemkonforme Daten umgewandelt werden, können direkt ab Computer mittels des DataPrint-Inkjetplotters in die offenporige Oxydschicht des Aluminiums gedruckt werden.
VALUE: Welche Dateiformate kann das System für den Druck verwenden?
Jon-Andri Mantel: Es können die meisten im graphischen Bereich üblichen Dateiformate verwendet werden. Bestimmte Industrieformate, zum Beispiel CAD, können durch einen Umweg über Konvertierungsprogramme angepasst und eingesetzt werden.
VALUE: Im klassischen Digitaldruck ist die Individualisierung von Drucken ein spannendes Thema. Haben Sie schon Projekte realisiert, bei denen DataPrint zur Individualisierung von Druckstücken eingesetzt wurde?

Ein Druck in Aluminium sieht edel aus und kann ohne Bildrahmen direkt an der Wand aufgehängt werden.
VALUE: Ist DataPrint nur für den Untereloxaldruck geeignet oder können neben Aluminium auch andere Materialien bedruckt werden?
Jon-Andri Mantel: Mit DataPrint können natürlich auch andere Materialen bedruckt werden. Wir arbeiten zurzeit an Lösungen für sehr unterschiedliche Medien wie verschiedene Kunststoffe, Keramik, Glas, Edelmetalle usw. Durch den Einsatz von schnell wechselbaren Druckkopfeinheiten können unterschiedliche Farbsysteme verwendet werden. Dadurch lässt sich das System vielseitig und multifunktional einsetzen.
VALUE: Wann wurde das System entwickelt und wie viele Systeme sind derzeit (weltweit) im Einsatz?
Jon-Andri Mantel: Der Prototyp eines Systems für Aluminium-Untereloxaldruck wurde vor zirka zwei Jahren vorgestellt. Insbesondere seit der FESPA 2007 in Berlin ist die Nachfrage nach Aluminium-Untereloxaldruck rapide gestiegen. Seit diesem Zeitpunkt bekommen wir laufend Anfragen aus der ganzen Welt und bauen nun auch Distributionskanäle in ganz neuen Märkten–auch außerhalb Europas–auf. Bisher wurden in Europa 20 Maschinen verkauft und installiert. Das System wurde während der letzten Jahre für diverse Einsatzgebiete und Materialien entwickelt. Mittlerweile befinden sich abgesehen vom Aluminium-Untereloxaldruck zirka 40 Maschinen in verschiedenen Ausführungen und Größen für unterschiedlichste Anwendungen im Einsatz.
VALUE: Was kostet das System und was kostet es den Endkunden, etwas mit DataPrint drucken zu lassen?
Jon-Andri Mantel: Einen wesentlichen Anteil der Produktionskosten bilden Größe und Dicke der verwendeten Aluminiumplatten. Allerdings kann man pauschal sagen, dass Auflagen bis ca. 50 Stück in diesem Verfahren viel günstiger produziert werden können als mit den herkömmlichen Verfahren. Dazu können Bild und Textdaten mehrfarbig und in hoher Auflösung in einem Arbeitsgang gedruckt werden. Kurz gesagt: Für kleinere Auflagen sind die Kosten geringer und die Qualität besser. Die Systeme, mit einer Nutzfläche von 500 auf 770 mm bis 1500 auf 2960 mm, sind ab 68000€ erhältlich. Der Endkundenpreis kommt dabei sehr stark auf das Produkt an.

