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Kein Dualismus: Kreativität und Ökonomie
Kreativität – dieser Begriff begegnet uns immer häufiger in Bereichen der freien Wirtschaft oder der Industrie, also gerade solchen, die einem bei der Frage nach der Notwendigkeit von Kreativität nicht sofort in den Sinn kämen. Was ist es, das die Kreativität herausfordert, unentbehrlich macht und zu einem Instrument erfolgreichen Wirtschaftens werden lässt?
Andreas Weber, 10. März 2008

Versucht man diese Definition in einen begrifflichen Kontext zu stellen, scheint der Katalog an sinnverwandten Ausdrücken, die unmittelbar mit der schöpferischen Kraft der Kreativität zusammenhängen, diese bedingen und unterstützen oder eine Folge von ihr sind, nicht zu enden. Hier eine Auswahl: Fantasie, Logik und Humor sowie Produktivität, Initiative und Intuition, Offenheit, Wille und Begeisterung, Assoziation, Vision und Flexibilität wie auch Dynamik und Zerstörung.
Motor eines kreativen Prozesses ist die Möglichkeit, hierdurch Entwicklungsschritte oder sogar -sprünge zu vollziehen. Dazu bedarf es jedoch eines großen Maßes an Energie, um Hürden wie Stress und Routine, Nervosität und Vorurteile, Konfrontation und Starrheit oder Rücksichtslosigkeit zu bewältigen. Vielleicht sind diese Hürden der Hauptgrund dafür, dass der Kreativität in der Vergangenheit aus dem Weg gegangen oder zu sehr mit Respekt begegnet wurde.
Schon in der griechischen Götterwelt kann man die Idee einer kreativen Kraft wiederfinden. Dort verbinden sich Fantasie und Schöpfungskraft. Bei dem Komödiendichter Aristophanes zeigt sich ein Erfindungsreichtum, in dem das Unerklärte und Unerforschte der Weltentstehung mit dem zentralen Gedanken der Menschwerdung verschmilzt. Blickt man zurück auf den Mythos des Eros, so findet man eine ähnliche Symbolik. Eros, Sohn des erfindungsreichen und klugen Poros sowie der unweisen und ungeschickten Penia, steht in der Mitte zwischen Wissen und Unwissenheit. Zudem ist die Figur Eros Sinnbild für die Sehnsucht nach dem dauerhaften Besitz des Guten und Schönen. Beide pflanzt Eros dem Menschen ein, was letztendlich dazu führt, dass der Mensch sich nichts sehnlicher wünscht, als die Zeugung in diesem Schönen und Guten. Zeugung steht hierbei im Kontext der Unsterblichkeit. Alles Vergängliche besteht im Aufkommen des Neuen und Jungen und ist damit Teil des Unsterblichen. Am Ende des Weges steht–so die Griechen–die Erkenntnis des Urschönen.
In der Wissenschaft wurde erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Begriff Kreativität thematisiert; zum Beispiel bei Intelligenztests, wie sie im Jahr 1918 mit US-Rekruten durchgeführt wurden. Echter Initialzünder für die Diskussion war jedoch, 32 Jahre später, der Amerikaner Joy Paul Guilford mit seinem Vortrag “Creativity”. Guilford definiert zwei Arten kreativer Produkte: die greifbaren, von der Kultur anerkannten und die psychologischen, gedachten Produkte. Das sogenannte Intelligenz- Struktur-Modell unterscheidet zusätzlich Denkoperation, Denkinhalt und Denkprodukt. Im Kalten Krieg versuchte die USA schließlich, kreative Kräfte in Management, Politik und Wissenschaft zu mobilisieren, um einen strategischen Vorteil zu erringen. A. Cropley formulierte 1978 vier Faktoren, die Voraussetzung sind, Ideen ausbilden zu können: solides Fachwissen, Begabung, Gelegenheit sowie Fleiß und Zielstrebigkeit.
Im Bezug auf die Berufswelt tut sich hier ein Widerspruch auf. Auf der einen Seite wird das Ausleben schöpferischer Fähigkeiten durch die starre Aufgabenabgrenzung im Beruf verhindert, während auf der anderen Seite die Kreativkräfte in Produktionsabläufen ausgebeutet werden, ohne eine Selbstentfaltung des Menschen zuzulassen. Die kreative Arbeit beschränkt sich somit auf rein funktionale Aufgaben. Genau dieses Spannungsfeld zwischen Selbstbeschränkung und Selbstverwirklichung könnte wiederum als der kreative Zugang zur Welt bezeichnet werden. Aufgabe und Funktion von kreativen Kräften ist das Aufzeigen von Konflikten und Vorschlagen von Lösungsansätzen.
Es ist diese Dimension, vor deren Hintergrund Kreativität in der Wirtschaft zu einem Thema wird. Die Verbindung von kristalliner Intelligenz der Logiker mit eruptiver Kreativität der Fantasten sollte im Zentrum des Interesses stehen. An dieser Stelle ist es die Aufgabe der Manager eines Unternehmens, herauszufinden, welche Art der Intelligenz in ihrem Unternehmen mit den Kreativen kooperiert, welche Faktoren sie blockiert oder sogar in die Flucht treibt. Zu oft muss und musste die Wirtschaft erkennen, dass die Filter, um Kreative oder ein kreatives Potenzial zu identifizieren, versagen. Das müssen wir ändern!
Kreativität in der Wirtschaft
Warum Kreativität in der Wirtschaft so wichtig ist:
Kreativität…
- ist zeitlos,
- lässt sich nicht instrumentalisieren,
- stirbt ohne Kommunikation,
- fördert und fordert Interaktion,
- vervielfältigt sich in Netzen,
- ist vernetzte Intelligenz,
- und Kreative schaffen Zukunftsenergie.

