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Web-to-Print 2007 – Lösungen, Verfahren, Märkte

In anderen Branchen sind die Möglichkeiten des Web 2.0 längst in den Arbeitsalltag integriert. Doch die Druckindustrie tut sich schwer mit dem Einsatz neuer Technologien. Dabei bieten die zahlreichen, im Markt verfügbaren Web-to-Print-Lösungen eine ausgezeichnete Grundlage, die Herstellung und Nutzung von Printkommunikation zeitgerecht zu optimieren. Dies ergibt zumindest die neue ZIPCON Consulting-/BVDM-Studie.

Bernd Zipper, 10. März 2008

Das Festhalten an althergebrachten Verfahren blockiert offensichtlich die Bereitschaft, neue Wege zu gehen. So manch traditionelles Unternehmen mag im Internet bislang eher eine Gefahr als ein Mittel zum Zweck gesehen haben. Dabei hat Web 2.0 der Druckindustrie endlich ein entscheidendes Werkzeug geliefert: Web-to-Print.

Digitaldruck
Die Bezeichnung Web-to-Print tauchte erstmals Ende der 90er Jahre auf, als sich abzeichnete, dass die Online-Erzeugung von Druckvorlagen funktioniert. Die Druckindustrie in Deutschland hat diese neue Technologie lange Zeit nicht eingesetzt, wenn auch zur Kenntnis genommen. Seit 2004 verdoppelt sich allerdings jährlich die Zahl der Web-to-Print-Projekte von Dienstleistern in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz. Aktuell verwenden die zahlreichen Hersteller keine einheitliche Bezeichnung für ihre Produkte. So kann Web-to-Print auch Automatic Documents, Print Factory, Weptop-Publishing oder Dynamic Documents heißen. Dies lässt sich nicht zuletzt auf die Fülle der technischen Verfahren zur Online-Herstellung einer Druckvorlage zurückführen. Der Markt wird dadurch nicht gerade überschaubarer. Sogar das simple Übermitteln von Druckjobs über das Internet wird mitunter als Web-to-Print bezeichnet. So gesehen definiert sich Web-to-Print als „die servergestützte Online-Erzeugung von individuellen Druckdokumenten unter Einbeziehung der notwendigen kaufmännischen Prozesse.“

Die Online-Erzeugung von Druckvorlagen kann dabei helfen, Kosten, Aufwand und Zeit drastisch zu reduzieren. Die Anwendung ist meist simpel. Jeder kann ein Formular ausfüllen, um Vorlagen für Visitenkarten oder Anzeigen selbst zu erstellen. Dank einer Onlineplattform können Kunden rund um die Uhr und an jedem Tag im Jahr Druckaufträge erteilen. Die Liste der möglichen Endprodukte reicht von Büchern über T-Shirts bis hin zu Anzeigen oder umfangreiche Werbekampagnen.

Anwender aus der Druck- und Medienindustrie bleiben dennoch skeptisch. So ist es doch verwunderlich, dass bislang nur wenige Offsetdruckereien ihren Kunden Webto-Print-Lösungen anbieten, während Agenturen und Digitaldruckdienstleister in weitaus größerer Zahl vertreten sind. Es scheint, als verschlafe die Druckindustrie hier einen entscheidenden Trend.

Die Studie

Anlass genug für ZIPCON Consulting zusammen mit dem Bundesverband Druck und Medien e.V. Transparenz in den Dschungel rund um Druckvorstufe, Druck und Web 2.0 zu bringen. Die Studie „Web-to-Print 2007 – Lösungen, Verfahren, Märkte“ soll einen Überblick über die zahlreichen Hersteller, Produkte und Namen in Deutschland, Österreich und in der Schweiz geben. Die Studie beinhaltet zudem klare Bewertungen zu allen vorgestellten Produkten. Dazu wurden seit Anfang 2006 Daten zusammengestellt, analysiert und evaluiert. Aus über 200 geprüften Web-to-Print-Anwendungen wurden 60 ausgewählt, die in der Studie als für den Markt relevante Anwendungen präsentiert werden.

Das Rating

Wegen der Vielseitigkeit der Anwendungen, wurden diese in der Studie in die Kategorien A bis E eingeteilt. Die Klasse A umfasst Automaten, also einfache Web-to-Print-Systeme zur Realisierung von einfachen Druckvorlagen wie zum Beispiel Visitenkarten auf Basis von Templates. Dabei ist der Austausch von Bildern und einzelnen Layoutelementen möglich und das System lässt sich an ein eigenes Shopsystem anbinden. Die Kategorie B beinhaltet Layout-Automaten, Web-to-Print-Systeme die einfache,

aber auch komplexe Druckvorlagen auf Basis von Vorlagen realisieren können. Bilder und einzelne Layoutelemente können ausgetauscht werden und der Automat hat ein eigenes Bild- und Layoutmanagement.

Web-to-Print-Systeme zur Umsetzung von einfachen bis hin zu komplexen Druckvorlagen auf Basis eines grafischen Benutzerinterface fallen in die Kategorie C. Diese bieten die Möglichkeit zum aktiven Layouten, Austausch von Bildern und Layoutelementen sowie eine eigene Bild- und Layoutdatenbank.

Sofern Web-to-Print-Systeme auf einer Layout- bzw. Satzengine basieren und einfache bis komplexe Druckvorlagen ermöglichen, wurden sie in die Kategorie D eingeteilt. Auch hier können Bilder und einzelne Layoutelemente ausgetauscht werden und eine eigene Bild- und Layoutdatenbank ist enthalten. Darüber hinaus lassen sich Layoutelemente frei gestalten und ein Shopsystem bzw. eine entsprechende Schnittstelle ist im Lieferumfang enthalten. Der Kunde kann Vorgänge über ein eigenes CRM steuern, außerdem können individuelle Workflows und Kampagnen frei gestaltet werden. Die GUI (grafische Benutzerschnittstelle) ist komplett anpassbar.

Mit Web-to-Print-Systemen in der Kategorie E lassen sich komplexe Druckvorlagen, die auf einer Layout- bzw. Satzengine basieren, umsetzen. Diese hochindividuellen Systeme erlauben den Austausch von Bildern und einzelnen Layoutelementen, die freie Gestaltung von Layoutelementen und haben eine eigene Bild- und Layoutdatenbank. Im Lieferumfang sind ein Shopsystem oder die entsprechende Schnittstelle enthalten. Der Kunde verfügt über ein eigenes CRM. Wie in Kategorie D, können auch hier individuelle Workflows und Kampagnen frei gestaltet werden. Die grafische Benutzerschnittstelle ist ebenfalls komplett anpassbar.

Die Bewertung

Es wurde natürlich das Preis-Leistungs-Verhältnis berücksichtigt sowie der Aufwand für die Implementierung und Anpassungsmöglichkeiten an eine vorhandene Corporate Identity. Die Anpassungsund Zukunftsfähigkeit des Systems spielte eine wichtige Rolle, auch im Hinblick auf die technische Skalierbarkeit sowie die Möglichkeit das System mit Modulen zu erweitern. Es ging unter anderem darum, herauszufinden, wie praktikabel Design- und Layoutfunktionen im System für den Anwender sind, wie dieser durch den Workflow geführt wird, wie hoch der Installations- und Administrationsaufwand ist und nicht zuletzt, ob eine ausreichend hohe Systemsicherheit gegeben ist.

Das Ergebnis der Studie beinhaltet eine Analyse der verschiedenen Einsatzbereiche von Web-to-Print-Anwendungen. Basisproduktionsverfahren werden genauso präsentiert wie die Geschäftsfelder der Hersteller, Dienstleister und Distributoren. Darüber hinaus werden relevante Kunden der verschiedenen Bereiche vorgestellt. So ergibt sich für alle getesteten Anwendungen eine detaillierte und informative Bewertung. Die Studie wird in Zukunft kontinuierlich aktualisiert und überarbeitet werden. So können neue Produkte anderer Hersteller zukünftig in das ZIPCON-Rating aufgenommen werden, vorausgesetzt, sie sind entsprechend geeignet.

Derzeit bieten von etwa 31000 Unternehmen in Deutschland, die das Potenzial für neue Online-Dienstleistungen haben, lediglich rund 1000 Firmen ihren Kunden Web-to-Print-Lösungen an. Der Bundesverband Druck und Medien e.V. sieht entsprechenden Handlungsbedarf: „Das Internet nimmt mehr und mehr Einfluss auf die Druckindustrie, insbesondere in der Vorstufe und bei der Auftragsabwicklung. Wir wollen, dass unsere Unternehmen diese Entwicklung aktiv mitgestalten und beschäftigen uns deshalb intensiv mit dem Thema Web-to-Print und Database Publishing.“

Um den Anschluss an die wachsende Onlinegesellschaft nicht zu verpassen, müsste die Druckindustrie offensichtlich neue Modelle entwickeln; insbesondere die Kauf- und Entscheidungsmechanismen der Onlinegeneration sollten gegenwärtig und zukünftig stärker berücksichtigt werden.

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