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Digitaldruck trifft Offset

Oder sollte man vielleicht sagen, kleine Auflagen treffen hohe Auflagen? Fest steht, es gibt (je nach Digitaldruck-Verfahrenstechnik) bestimmte Auflagenbereiche, bei denen halten sich die Herstellkosten im Digitaldruck und Offset die Waage. Hier stellt sich in jedem Fall die Frage nach der Qualität. So nahm beim diesjährigen Fogra Digitaldruck-Symposium in Frankfurt das Thema Produktionsqualität im Toner-Digitaldruck im Vergleich zum konventionellen Offsetdruck einen zentralen Platz ein.

Jutta Bock, 24. März 2009

ISO-Standard für den Digitaldruck



Ein sicherlich zurzeit noch unübersehbarer Stolperstein im Bemühen um eine Qualitätsverbesserung sind fehlende Standards für den Produktionsdigitaldruck, so wie sie bereits für den Digitalproof (ISO12647-7) und den Offsetdruck (ISO 12647-2) existieren. Zwar ist ein ISO-Standard für den Produktionsdruck in Vorbereitung, aber noch lange nicht in greifbarer Nähe.

Fogra Digitadrucksymposium 2009
Fogra Digitadrucksymposium 2009
Die Frage, die sich an dieser Stelle unter anderem stellt, ist, wie überbrückt man diese Zeit der Ziellosigkeit? Nun, der ein oder andere hatte da offensichtlich schon eine Idee. So gibt es Druckereien, die sich rühmen, mit ihren Digitaldrucksystemen den PSO (ProzessStandard Offsetdruck) zu erreichen und einzuhalten. Leider ist dies kein ausreichendes Kriterium für die Qualität des Digitaldrucks. Der Digitaldruck weist im Vergleich zum Offsetdruck andere Eigenschaften und damit verbunden Stärken und Schwächen auf, die mit dem PSO schlichtweg nicht abgefragt werden. Aber auch, wenn dieser Punkt strittig sein sollte, füllen diese Bemühungen eine Lücke im Bestreben belegbare, wiederholbare und vielleicht auch vergleichbare Ergebnisse im Digitaldruck zu erzielen.

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Hinweis


Qualitätssicherung im Digitaldruck ist auch eines der Top-Themen beim DigitaldruckForum Congress "Ideas for Profit" am 5. Mai 2009 in Mainz. Wir
werden die Herausforderungen dort praxisnah vertiefen. Anmeldung und
Programminfos unter www.digitaldruck-forum.org

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Digitaldruckqualität beurteilen



Zu den Eigenschaften in denen sich der elektrofotografische Produktionsdruck vom Offsetdruck unterscheidet zählen zum Beispiel, wie Jürgen Gemeinhardt (Fogra) in seinem Vortrag ausführlich schilderte, messbare Aspekte, wie:

- Reproduzierbarkeit
- Tonwertzunahmen
- Schwankungen
- Registergenauigkeit
- Verhalten in der Druckweiterverarbeitung
- Beständigkeitseigenschaften

Die Reproduzierbarkeit von Aufträgen im Digitaldruck wird unter anderem von den Kalibriermöglichkeiten des Systems, der Bedienerfreundlichkeit und dem Know-how des Anwenders bestimmt. Während im Offsetdruck die Tonwertzunahmen (TWZ) eine wichtige Rolle spielen, geht es im Digitaldruck weniger um die absolute Höhe der TWZ als vielmehr um den glatten Verlauf der Tonwerte. Testreihen ergaben, dass die Konstanz des Digitaldrucks innerhalb des gedruckten Formats wesentlich kritischer einzuschätzen ist, als im Offsetdruck. Während die Schwankungstoleranz über die Auflage gering ist. Allerdings sind die Auflagen des digitalen Produktionsdrucks in der Regel auch wesentlich kleiner. Der Passer schwankt in Digitaldruckmaschinen zwischen ± 10 µm und ± 40 µm, jedoch ohne die Gefahr des Dublierens. Auch die Registergenauigkeit beim Abstand zur Papierkante und im Schön- und Widerdruck lässt im Digitaldruck im Vergleich zum Offsetdruck noch zu wünschen übrig.

Wischfestigkeit, Scheuerfestigkeit und das Karbonieren müssten für einen Qualitätsvergleich herangezogen werden. Die Farbhaftung ist in der Elektrofotografie schlechter als im Offsetdruck, da die Druckfarbe nicht wegschlägt und dadurch schlechter verankert.

Weitere rein visuelle Parameter, die zur Zeit nicht messbar sind und ebenfalls die Qualitätsbeurteilung des Digitaldrucks beeinflussen, sind Streifenbildung und Wolkigkeit, sowie Wiedergabeeigenschaften bezüglich Text, feinen Linien und Bildmotiven. Gerade bei diagonalen Linien und feinen Schriften reicht die oft gewählte Standardauflösung von 600 dpi nicht aus.

Farbraum im Vergleich



Als wesentlicher Vorteil der Elektrofotografie gegenüber dem Offsetdruck zeigte sich jedoch der große Farbraum von Digitaldrucksystemen. Aber bitte beachten Sie, dass ein Farbraum ein 3-dimensionales Gebilde ist. Daher empfiehlt es sich bei der Betrachtung auch einen Blick auf die Lichter- und Tiefenbereiche zu werfen, um feststellen zu können, ob dort, wo ein ‚Farbgewinn’ entsteht nicht an anderer Stelle vielleicht ein Verlust auftritt. Wichtig: Die Farbraumgröße hängt auch vom Bedruckstoff ab.

Zieht man den Farbraum als Qualitätskriterium heran, drängt sich zudem noch eine ganz andere Frage auf: Welchen Farbraum möchte ich denn in der Produktion abbilden? Der, den das System im Idealzustand anbietet oder der, der mir durch Kunde, durch Corporate Design, durch Offsetvorlagen etc. vorgegeben wird? In dem Fall, indem das Drucksystem als letztes Glied der Produktionskette aufwartet und mit keinen anderen Druckprodukten oder Vorgaben verglichen wird, stellt der ‚größere’ Farbraum sicherlich einen verkaufbaren Mehrwert des Digitaldrucks dar.

Heiner Müller (CGS) gab einen kurzen Einblick in die technischen Anforderungen zur Farbgenauigkeit digitaler Drucksysteme. Für die Kommunikation in Farbe muss ein Druck genau, wiederholbar und kontrollierbar sein. Er stellte ebenfalls fest, dass sich digitale Drucksysteme grundsätzlich anders verhalten als der Offsetdruck und daher eine andere Methodik erfordern. Die Stolpersteine auf dem Weg zum perfekten Druck bilden u.a. die große Schwankungsbreite bei den Geräten. CGS bietet mit ORIS Press Matcher (Pro) eine Software, mit der die Anpassung von Digitaldrucksystemen untereinander und an einen Standard über iterative Messung und DeviceLink-Profil unterstützt wird. Die Inline-Dichte und Spektralmessung zum Stabilisieren von Systemen sollte eine Selbstverständlichkeit werden. Ob der fromme Wunsch an die Hersteller, den Drucktoner näher in Richtung Offsetdruck zu bringen, erfüllt wird, ist eher fraglich.

Einfluss der Daten



Spricht man über Qualität, so ist ein Blick auf die Daten, die die Drucksysteme verarbeiten dürfen, unumgänglich. Dr. Uwe Berthold (Forgra) gab einen kurzen Einblick in mögliche Bildqualitätskriterien, wie Bild-/Textschärfe, Farbgenauigkeit, Farbgleichmäßigkeit, Farbumfang, Glanz, Defekte, Graustufendifferenzierung etc. und resümierte, dass Bildqualität nach wir vor ein komplexes Zusammenspiel von vielen messbaren Einzelkriterien und teilweise noch unverstanden Teilbereichen darstellt. Claas Bickeböller (Fogra) brachte dies am Ende seines Vortrags auf den Punkt. Das, was wir bisher aus dem konventionellen Druckumfeld kennen, können wir nicht 1:1 anwenden. Bildqualität ist mehr als Farbgenauigkeit. Die Anwendung bestimmt die Datenaufbereitung und wir benötigen Standards für den Digitaldruck, Übergabestandards für variable Daten und objektive Qualitätskriterien.

Existenzberechtigung



Dabei sollte auf keinen Fall außer Acht gelassen werden, dass Digitaldruck nicht nur mit konventionellem Druck verglichen werden kann, sondern selbst ganz neue Möglichkeiten bietet. Neben dem klassischen statischen Druck liegt hier das Augenmerk vor allem auf dem bedarfsorientierten, dem ortsverteilten und dem variablen Druck. Personalisierung ist dabei schon fast ein alter Hut. Wenige sind noch verwundert, wenn sie ihren Namen in einem Angebot finden. Beeindruckender und auch verkaufsträchtiger sind da eher Ansätze das gesamte Angebot an die Anforderungen des Kunden anzupassen.

Geht es um solche Themen wie Corporate Identity, muss sich der Digitaldruck, da wesentlich variabler in seinen Anpassungsmöglichkeiten, in Richtung Offsetdruck bewegen. Ist der Digitaldruck jedoch das finale Ausgabesystem ohne andere Prozesse berücksichtigen zu müssen, wie zum Beispiel der Druck von Fotobüchern, wäre es schade, die Möglichkeiten, die manche Digitaldrucksysteme auf entsprechend hochwertigen Bedruckstoffen leisten können, nicht zu nutzen.

Fogra Digitaldrucksymposium 2009
Fogra Digitaldrucksymposium 2009
Interessant war sicherlich auch die Aussage zu werten, wer eigentlich entscheiden sollte, welches Drucksystem in welcher Zusammenstellung in einem Betrieb Einzug hält. Bleiben wir bei Betrieben, die das Druckprodukt als Dienstleistung erstellen, so sollte, um eine gute Markteinführung bzw. Kundenakzeptanz gewährleisten zu können, der Verkäufer bzw. Kundenkontakter auf jeden Fall von Beginn an eingebunden werden. Er ist unter Umständen derjenige, der in gemeinsamer Arbeit mit dem Kunden Ideen entwickelt und Vorschläge unterbreitet, um die Möglichkeiten, die ein Digitaldrucksystem bietet, wertschöpfend für die eigene Produktion und den Kunden einzusetzen.

Fazit


Im kleinformatigen Bereich werden zurzeit schätzungsweise 44 Trillionen Seiten im Jahr produziert. 88% davon gehen an den analogen Druck. 12% schneidet sich der Digitaldruck von dem großen Kuchen ab. Es drängt sich die Frage auf: spricht man in diesem Bereich eher von einer Konkurrenz oder einer Koexistenz? Die Qualität des Digitaldrucks hat sich in den letzten Jahren wesentlich gebessert. Welchen Stellenwert die Digitaldruckqualität im Allgemeinen einnimmt, wird jedoch kontrovers diskutiert. Qualität ist nach Praktikermeinung nicht immer entscheidend und darüber hinaus abhängig von der Anwendung. Es sollte in Mitarbeiter bezüglich Know-how und zur Steigerung der Flexibilität investiert werden. Color Management muss verstanden und angewendet werden. Der Fogra Arbeitskreis Digitaldruck arbeitet intensiv an Inhalten, die in eine zukünftige Digitaldruck-ISO-Norm einfließen sollen.

Marktfelder im Digitaldruck



Kleinformatiger Digitaldruck

- Statischer Kleinauflagendruck
o Vorabauflagen oder Nachbestellungen
o Musterexemplare
o Geschäftsberichte
o Werbemittel

- Bedarfsorientiertes Drucken
o Book-on-Demand
o Just-in-Time-Produktion
o Fotobücher
o Personalisierte Bücher

- Ortsverteiltes Drucken
o Zeitungen (Distribution/Aktualität)
o Agenturen und Druckereien mit mehrere Niederlassungen
o Kooperationen

- Variabler Datendruck
o Personalisiert/individualisierte Bücher, Zeitschriften und/oder Zeitungen
o Unterschiedliche Sprachfassungen
o Transaktionsdruck, One-to-One Marketing

- Gedruckte Elektronik

Großformatdruck
- Banner/Fahnen
- Gebäudeverhüllungen
- Textildruck
- Fahrzeugfolien
- Leuchtkästen
- Fotos und Poster
- Bandenwerbung
- Give-Aways
- Plakatwerbung
- Fahrzeugplanen
- Wandbilder

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