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„Going digital“ beflügelt Printproduktion

Kleine Druckauflagen, Personalisierung, Geschwindigkeit... Wir haben alle von den zahlreichen Vorteilen gehört, die digitale Verfahren für den kleinformatigen Druck zu bieten haben. Trotz allem lohnt es, den aktuellen Status der Technologie und des Marktes sowie neue Trends und die potenziellen Erfolgsfaktoren darzustellen.

Agustín Torres, 28. Dezember 2007

Investitionsentscheidungen sind eigenständig zu treffen. Denn niemand kann definitiv sagen, welche Maschine die beste oder welche Arbeitsweise die effizienteste ist. Der Drucker ist in der besten Position, diese Entscheidung zu treffen und sollte dabei die alte Redensart bedenken, dass Bewährtes durchaus Bestand haben kann.

Seit Auslieferung der ersten Geräte Mitte der 80er Jahre hat der Markt eine exponentielle Steigerung des Absatzes von Digitaldruckmaschinen und der Nachfrage nach digitalen Drucken verzeichnet. Darüber hinaus werden heute 78 % der Aufträge für Vierfarbdrucke in Druckauflagen von weniger als 5.000 Seiten gedruckt – ein klares Anzeichen dafür, wie stark sich die Personalisierung von Drucksachen durchgesetzt hat (mit einem Anteil von 30 % an allen Druckaufträgen).

Insgesamt werden heute weltweit jährlich 3,8 Billionen Seiten gedruckt. Davon entfallen 230 Milliarden Seiten auf den Digitaldruck (200 Milliarden für Schwarzweiß- und 30 Milliarden für Farbdrucke). Das bedeutet, dass der Digitaldruck ein enormes Wachstumspotenzial zeigt. Der digitale Farbdruck wird um mehr als das Zehnfache wachsen.

Robert Corbishley, European Public Relations Manager für Produktionssysteme bei Xerox, erklärt: „Der Digitaldruck besitzt ein enormes Potenzial. Digitale Verfahren sind besonders stark in den Bereichen Buchproduktion, Direktmailings, Werbe-/Transaktionsdruck und On-Demand-Druck von Werbematerialien vertreten. Der starke Markt für Personalisierungen sowie Gebrauchs- und Sofortdrucke erzeugt neue Anwendungen und Geschäftschancen für unsere Kunden. Gleiches gilt für den Verpackungs- und Fotodruckmarkt.“

Für die kommenden drei Jahre werden folgende Steigerungsraten prognostiziert:

• Print-on-Demand: 12 % jährliches Wachstum (Einzelhandel)
• Vorlaufzeit: 33 % der Aufträge werden innerhalb von 24 Stunden abgewickelt
• Farbseiten: 27 % Wachstum in der digitalen Farbdruckproduktion


Markenanbieter: Entscheidung für eine digitale Lösung

Natürlich verteidigen alle großen Markenanbieter ihre Produkte und wollen ihren Absatz stärken. Das aktuelle Angebot an Digitaldruckmaschinen, die ursprünglich für die Produktion von Dokumenten in kleinen Auflagen entwickelt wurden, hat sich erweitert und umfasst jetzt gewinnversprechende Lösungen für Spezialanwendungen. Höhere Druckgeschwindigkeiten und die Kompatibilität mit vielfältigen Druckmaterialien haben dafür gesorgt, dass diese Technologien in den Print-on-Demand-Markt vordringen, wie das Potenzial und die Kapazität moderner kleinformatiger Digitaldruckmaschinen deutlich zeigen. Diese Trends werden sich den Erwartungen zufolge in Zukunft fortsetzen. Die beste Möglichkeit, mehr darüber zu erfahren, ist ein Besuch bei erfolgreichen Druckern, um sich dort aus erster Hand über die verschiedenen auf dem Markt erhältlichen digitalen Drucklösungen informieren zu können. Fachmessen – allen voran die drupa – bieten ebenfalls gute Gelegenheiten für Vergleiche, um Entscheidungen treffen zu können.

Viele hochrangige Produktionsdruckmaschinen eignen sich ideal für die Anforderungen von Kunden, die sowohl mit Offset- als auch digitalen Verfahren drucken möchten, denn sie ermöglichen einen offenen Workflow, Farbsicherheit und die Nutzung vielfältiger Druckmaterialien.

Drucker schätzen an kleinformatigen Digitaldrucksystemen vor allem die hohe Ausgabe in Seiten pro Minute, die Kapazität des Anlegers, die Auswahl an Druckoptionen (Tinte oder Toner) und die Möglichkeit, beide Seiten des Bogens gleichzeitig zu bedrucken (Duplexdruck). Wenn man auf all diese Spezifikationen Wert legt, sind derzeit im hochvolumigen Bereich primär folgende Anbieter und Lösungen auf dem Markt vertreten:

• HP mit 68 Seiten pro Minute, 1.200 dpi, Autoduplexfunktion und einem Anleger mit einer Kapazität von 6.700 Bogen
• Océ mit 250 Seiten pro Minute, einer Auflösung von 600 x 1200 dpi, beidseitiger Druck und einem Anleger mit einer Kapazität von 13.800 Papierbogen
• Xeikon mit 160 Seiten pro Minute, 600 dpi und Duplexdruck
• Xerox mit 100 Seiten pro Minute, 600 x 600 dpi und einem Anleger mit einer Kapazität von 30.000 Bogen
• Kodak mit 100 Seiten pro Minute, 600 dpi, Duplexdruck und einem Anleger mit einer Kapazität von 71.000 Bogen

Diese Zahlen beziehen sich auf den Farbdruck. Alle Druckmaschinen dieser Markenanbieter verwenden Toner, mit Ausnahme der auf Flüssigdruckfarben basierenden Maschinen von HP.

Zusammengefasst bietet der Sektor heute Druckgeschwindigkeiten zwischen 68 und 250 Seiten pro Minute, eine Anlegerkapazität zwischen 6.700 und 71.000 Bogen, eine Auflösung von 600 bis 600 x 1.200 dpi und eine monatliche Ausgabekapazität zwischen 200.000 und 8 Millionen Drucken. Zukünftige Trends werden sich auf die Steigerung der Produktionskapazität und die Verbreitung der Duplextechnik konzentrieren.

Selbstverständlich sind die oben aufgeführten Digitaldruckmaschinen nicht die einzigen derzeit auf dem Markt erhältlichen Lösungen. Aber sie bieten modernste digitale Techniken und stechen hervor, weil sie eine mit dem Offsetdruck vergleichbare Bildqualität gewährleisten.


Digitale Verfahren ebnen den Weg zu rentablen neuen Chancen

Die Stärke des Digitaldrucks liegt vor allem auch im Akzidenzdruck, aber sich fortwährend eröffnende neue Geschäftschancen sorgen für eine strategische Erweiterungen der Kernaktivitäten eines Unternehmens.

Im Fotodruckbereich hat der Markt für die Filmentwicklung aufgrund des Siegeszugs der Digitalkamera einen Sturzflug erlebt. Um trotzdem bestehen zu können, musste der verarbeitende Sektor neue Produkte entwickeln. Das war der Anlass für eine Reihe innovativer personalisierter Produkte wie Fotobücher, Kalender, T-Shirts usw. Da diese Produkte personalisiert und hochwertig veredelt werden müssen, lassen sie sich ideal mit digitalen Offsetgeräten produzieren. Das Potenzial für diesen neuen Markt ist enorm: Allein HP Indigo hat weltweit mehr als 7 Millionen personalisierte Produkte hergestellt und prognostiziert für den Zeitraum bis 2010 eine Steigerung von 94 % mit einem Gesamtwert von 3 Milliarden Euro.

„Die Zahl der Fotos, die in Westeuropa mit Digitalkameras und Handys erstellt werden, wird schätzungsweise von 2003 bis 2010 um 17,8 % steigen – wir haben heute mehr Fotos als je zuvor“, erklärt Jakob Bovin, Manager bei Indigo Digital Press, HP EMEA. „2006 wurden 63 Milliarden Fotos gespeichert und weitergegeben, 14 Milliarden Fotos wurden gedruckt. Schätzungen zufolge werden diese Zahlen bis 2011 bei 110 bzw. 124 Milliarden liegen. Immer mehr europäische Fotolabore bieten sowohl online über das Internet als auch vor Ort im Einzelhandel personalisierte Fotoprodukte an. Umfassende Werbeaktionen informieren Kunden über ihre Möglichkeiten und kurbeln die Nachfrage an.“

Laut Freek Jochems, Senior Spokesman Communications bei Océ N.V. für kleine und mittlere Auflagen, wächst der Bedarf für Farbdokumente kontinuierlich. „Wir gehen davon aus, dass sich das Produktionsvolumen für Farbdokumente auf Endlossystemen jedes Jahr verdoppeln wird. Die Masse des Endlostransaktionsdrucks wird heute in Schwarzweiß produziert – Hundert Milliarden Seiten jährlich“, so Freek Jochems. „Nur 2 bis 3 Milliarden Seiten werden in Vollfarbe gedruckt, während Aufträge mit Farbe in Teilbereichen eines Dokuments einen Marktanteil von nur rund 20 % halten. Der Offsetdruckmarkt hat derzeit einen Gesamtwert von 400 Milliarden Euro.“ Freek Jochems bemerkt, dass der Bücherdruck das größte Segment im Offsetdruck mit den zurzeit attraktivsten Wachstumschancen sei. Er schätzt: „Wenn nur 1 % der Offsetdrucke auf digitale Verfahren umgestellt werden würden, würde der Digitaldruckmarkt um 13 % wachsen.“

Will Mansfield, Marketing Director EMEA für Digitaldrucklösungen bei Kodak, hat einige Marktprognosen für 2008 zusammengestellt. Er beschreibt fünf verschiedene Geschäftstrends, die sich klar abzeichnen und einige Aufmerksamkeit von Druckunternehmen verdienen:
1. „Der Markt für verbraucherorientierte Fotoprodukte wird sich signifikant erweitern (Fotoalben, Kalender, Tassen, T-Shirts usw.).
2. Transpromo: eine sich schnell verbreitende Anwendung, mit der Unternehmen Botschaften – vor allem Marketingbotschaften – auf Rechnungen oder Kontoauszügen übermitteln. Werbeinhalte auf Transaktionsmaterialien sind ein bedeutender Trend, der die Produktion von Dokumenten in hohen Auflagen mit sich bringen wird. Europa ist in diesem Bereich mit einer jährlichen Wachstumsrate von 13 % führend.
3. Neue Webtechnologien, die darauf abzielen, den Druckprozess zu optimieren. Daraus folgend wird sich das webbasierte Proofing durchsetzen, und auch die Bestellabwicklung und Überwachung werden in Online-Prozessen durchgeführt. Dieser Trend steckt noch in den Kinderschuhen, zeigt aber ein enormes Zukunftspotenzial.
4. Umwelttrends: Weltweit steigt das Bewusstsein, dass der Energieverbrauch und das Abfallaufkommen reduziert werden müssen, und der Digitaldruck ist sehr umweltfreundlich. Kodak leistet beispielsweise eine Menge Arbeit in diesem Bereich. Alle in den Systemen des Unternehmens eingesetzten Verbrauchsmaterialien sind recycelbar. Die umweltfreundliche Produktion ist ein wichtiger Trend.
5. Geschäftsentwicklung für Druckunternehmen: Kodak arbeitet daran, die betrieblichen Abläufe von Druckdienstleistern zu optimieren, so dass diese ihre Kunden effektiver erreichen und mehr Werbung für den Bereich Fotodruck machen können.“

Die Umstellung auf digitale Verfahren durchbricht Marktbarrieren – Ihrer Kreativität und Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.


Gründe für den Erfolg digitaler Verfahren

Druckunternehmen, die sich für eine Umstellung auf digitale Verfahren entscheiden, preisen gern die Vorteile und enormen Kosteneinsparungen an. Sie können vielfältige Druckprodukte anbieten und profitieren von zahlreichen variablen Optionen. Vom Produktionsstandpunkt aus gesehen können Aufträge im Vergleich zu konventionellen Druckverfahren in kleineren Mengen schneller und zu wettbewerbsfähigeren Preisen produziert werden. Wirtschaftlich gesehen ist es von Vorteil, dass der Erwerb und die Verwaltung großer Verbrauchsmaterialbestände entfallen und Distributionskosten gesenkt werden können. Die digitale Produktion sichert einem Druckbetrieb die Freiheit, flexibel das zu drucken, was gebraucht wird, wann es gebraucht wird. Inhalte lassen sich ohne zusätzliche Kosten oder Zeit bearbeiten und aktualisieren. Daher gewährleisten digitale Verfahren gegenüber traditionellen Druckmethoden optimierte Wertschöpfungsoptionen.

Die drupa 2008 wird zweifelsohne näher auf diese Ideen eingehen. Gerüchten zufolge liegt der Schwerpunkt der kommenden Ausgabe dieser Veranstaltung nicht nur auf dem Digitaldruck, sondern auch auf dem Inkjetdruck. Kurz: Die drupa 2008 wird Druckdienstleistern die Tür zu neuen Geschäftschancen öffnen.



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Zum Autor:

Agustín Torres ist Geschäftsführer der spanischen Verlagsgruppe Fopren. In seiner Position leitet er auch die Organisation der Digitaldruckmessen des Unternehmens sowohl für den portugiesischen als auch den spanischen Markt.

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